Worum geht es?

Denk-mal sexuelle Vielfalt

Denk-mal sexuelle Vielfalt heißt eine Initiative, deren Ziel es ist, in der Freien und Hansestadt Hamburg ein Denkmal zu errichten, das die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt einfordert.

Es soll ein Denkmal werden, das an die Verfolgung von Menschen aufgrund der sexuellen und geschlechtlichen Identität in der Vergangenheit erinnert, das Streben nach Gleichberechtigung und Akzeptanz in der Gegenwart würdigt, aber auch sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als Zukunftsziel anmahnt.

Das Projekt will nicht eine einzelne sexuelle Minderheit, sondern die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt („Diversity“) der Gesellschaft und der LSBTIQ*- Community in den Fokus stellen.

Das angestrebte Denkmal soll dazu beitragen, die Verfolgung von Menschen aufgrund der sexuellen und geschlechtlichen Identität in Vergangenheit und Gegenwart aufzuarbeiten sowie an die Leidens- und Lebenswege der Betroffenen erinnern. Es soll darüber hinaus die Sichtbarkeit der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt menschlichen Seins abbilden, um Vorurteile und Diskriminierung gegen sexuelle Minderheiten abzubauen.

Durch das Denkmal soll symbolisch an die Lebens- und Leidenswege von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*menschen und intergeschlechtlichen Menschen und allen Menschen erinnert werden, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität von gesellschaftlicher Stigmatisierung und Diskriminierung und teils von staatlicher Verfolgung geprägt waren bzw. sind. So wurden zum Beispiel lesbische Frauen und schwule Männer in der Nachkriegszeit gesellschaftlich stigmatisiert und diskriminiert. Schwule wurden darüber hinaus aufgrund des Paragrafen 175 StGB zwischen 1872 und 1994 strafrechtlich verfolgt und erst im Jahr 2017 vom Deutschen Bundestag rehabilitiert. Eine Aufarbeitung der Leidensgeschichten von lesbischen Müttern, deren Sorgerecht entzogen wurde, von intergeschlechtlichen Menschen, die zwangsoperiert wurden und von Trans*menschen, die Ausgrenzungen erfuhren, steht immer noch aus.

Ablehnungs- und Ausgrenzungserfahrungen sind bei vielen von ihnen verinnerlicht und wirken auf unterschiedliche Weise ein Leben lang fort. So führ(t)en diese Erfahrungen und der sogenannte Minderheitenstress bei vielen von ihnen zu dauerhaften Gesundheitsgefährdungen, zum sozialen Rückzug und teils zur Existenzbedrohung, Suizid oder Ermordung.
Es gilt diejenigen symbolisch zu würdigen, die für ihren Alltag Überlebens- und Bewältigungsstrategien entwickelten und sogar Freiheiten erkämpf(t)en und sich schließlich emanzipier(t)en.

Das Denkmal soll einerseits eine gesellschaftliche Anerkennung des vergangenen Leids und Unrechts gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*menschen und intergeschlechtlichen Menschen anmahnen. Gleichzeitig sollen jene symbolisch rehabilitiert werden und dadurch für die Zukunft ein gesellschaftliches Zeichen gesetzt werden.

Bisher gibt es keinen öffentlichen Ort in Hamburg, an dem an Menschen erinnert wird, die wegen ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität Leid erfahren haben.

Bis jetzt wurden in Deutschland Erinnerungsstätten und Mahnmale für die Opfer der Homosexuellenverfolgung der NS-Zeit errichtet. So gibt es in Hamburg am ehemaligen KZ Neuengamme den Gedenkstein „Rosa Winkel“, der 1985 von der Unabhängigen Homosexuellen Alternative (UHA) initiiert und gesetzt wurde. Die Gedenktafel am ehemaligen innerstädtischen Polizeigefängnis Hütten jedoch enthält keinen Hinweis auf die zahlreichen Homosexuellen und die in der NS-Zeit sogenannten „Asozialen“, zu denen oft auch Lesben gezählt wurden, die von dort aus in KZ-Lager transportiert wurden. Auch die Tafel am Hamburger Untersuchungsgefängnis Holstenglacis und das Mahnmal „Hier+Jetzt“ vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht auf dem Sievekingplatz benennt nicht explizit, dass es sich auch um Opfer aufgrund deren sexuellen und geschlechtlichen Identität handelt.

Hamburg gehört zu den Städten Deutschlands, die in der LSBTIQ*-Bewegung führend waren und sind. Ihre Geschichte ist in den letzten 25 Jahren gut dokumentiert und aufgearbeitet worden. Der Hamburger CSD gehört in seiner Vielfalt zu den größten Veranstaltungen dieser Art in Europa. Und Hamburg ist seit dem 28. Juli 2016 Rainbow-City.

Dies alles spricht für ein Denkmal sexueller Vielfalt in dieser Stadt.